Ich bin plus 1 und sehr dramatisch!

Ich bin Künstlerin und mich plagen Zweifel.

Da bin ich und meine Kunst und dort sind Familie, Freunde und vor allem mein Partner.Zum Einen ist Kunst mein Job. Zum Anderen passiert Kunst einfach: wenn ich dusche, wenn ich spazieren gehe, wenn ich Essen koche und oft ist mein Partner dabei und eigentlich mit mir unterwegs. Ich aber bin abwesend, in meinem Kopf auf Wanderschaft. Wenn ich dann einen Gedanken zu fassen bekomme, trällere ich los: was hältst du davon, wie findest du das und wäre das nicht sau cool? Jetzt bitte eine kritische und wohlüberlegte Antwort die mich weiterbringt.

Wäre es hier nicht meine Aufgabe abzuschalten, mal runter zu kommen und Freizeit Freizeit sein zu lassen? Aber Kunst abschalten? Gleich so dramatisch!?

Ist ein Projekt erstmal in vollem Gange ist kein Halten mehr. 24/7 ist die Antwort immer Kunst. Auf die Frage wie war dein Tag so; folgt eine vierstündige Abhandlung des künstlerischen Prozesses am heutigen Tag und ich kann hier nichts auslassen, weil hier selbstredend alles seine Berichtigung hat und darüber hinaus mit ihm nochmal reflektiert werden muss, damit ich nochmal mit allem in Verhandlung treten kann, um aufkommende Zweifel über das was man da eigentlich tut zu entkräften.

Sollte ich hier Platz schaffen? Nie zuhause, immer unterwegs und dann noch die große Kunst im Wohnzimmer verhandeln?

Es verdichtet sich. Denn hinzu kommen meine Anfragen: Kannst du etwas für mich abholen? Möglichst noch heute, es ist wirklich super dringend? Kannst du hier beim Transport helfen? Dort beim Abbau und wir brauchen noch einen Statisten, ein Testpublikum und jemanden der sich da mal hinsetzt.

Behandle ich seinen Einsatz damit schon als selbstverständlich?

Die Premiere/Vernissage/Abschluss naht. Ist damit alles vorüber? Weit gefehlt. In diesen Tagen werde ich nervös, ich brauchebesondere emotionale Stabilität und es bedarf seiner Anwesenheit. Also ist alle paar Wochen ein ganz, wirklich ganz besondere Tag. Er fährt quer durchs Land, zieht sich schicke Schuhe an und ist mein plus 1.

7 Fragen an diesen einen:

  1. Dein Einsatz für die Kunst?

Ich unterstütze die Kunst, indem ich dich unterstütze. lacht. Ich unterstütze die Kunst auch dadurch, dass ich partizipiere und teilhabe. Ich bin kein kunstnaher Mensch, aber durch dich habe ich ein Portal, um sehr viel Kunst in mein Leben zu bringen. Und in diesem Sinne nehme ich dann auch teil.

  1. Wieviel Raum nimmt meine Kunst in unserer Beziehung ein?

Überlegt. Schon sehr viel würde ich sagen. Also grundsätzlich ist das etwas, was du immer oder häufig mit mir thematisierst. Wenn dir etwas wichtig ist, dann würde ich sagen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um Kunst handelt, sehr, sehr hoch. Viele wichtige Gespräche die wir führen, also die für dich glaube ich wichtig sind, drehen sich um Kunst.

  1. Wann hast du zum ersten Mal gemerkt das du mit einer Künstlerin zusammen bist?

Intuitiv hätte ich gesagt seit deiner Ausstattungsassistenz in Konstanz, aber explizit, seit ich die ersten Figurinen von dir gesehen habe. Aber was interessant ist, ist, dass du dich ja selbst erst sehr spät als Künstlerin begriffen hast. Aber ich meine, es waren die ersten Zeichnungen die ich von dir gesehen habe.

  1. Wie hat dich der Bezug zur Kunst über mich verändert?

Ich glaube ich sehe mich als einen sehr vielseitigen Menschen an und ich denke, dass das eine Seite ist die sehr viel freimachen kann: Kunst. Es kommt darauf an was man rauszieht. Kunst ist etwas, woraus man sehr viel extrahieren kann, weil es eigene Kunsterfahrungen sind. Weil es nicht festgeschrieben ist, was oder wie du etwas zu interpretieren hast, sondern du kannst so viel rausziehen, weil es frei ist. Durch dich habe ich vor allem den fast kostenlosen Zugang zur Kunst erhalten, was ich sehr schätze. Ich glaube das kann man nicht messen. Am liebsten würde ich dir jetzt eine Zahl nennen, aber das geht nicht. Kunst ist in dieser Hinsicht nicht greifbar. Es hat sehr viele Möglichkeiten für mich geschaffen: in meiner Entwicklung, Geist, Verstand, Vernunft. Es gibt so viel über das man sich Gedanken macht, der Austausch. Ich finde das schwierig, weil das auf so vielen Ebenen stattfindet: es entsteht so viel Input in dem Austausch mit so vielen Menschen und alle nehmen die Kunst so unterschiedlich wahr, achten auf unterschiedliche Dinge. Man bereichert sich und deswegen würde ich grundsätzlich sagen, dass die Kunst einen großen Einfluss auf mich hat.

  1. In drei Worten: Wie ist das Leben mit einer Künstlerin?

Dramatisch. Vielseitig. Verzaubernd. grinst.

  1. Findest du es überheblich, dass ich dir diese Fragen stelle?

Nein.

  1. Ein Tipp an mich?

Nimm alles nicht so ernst. schmunzelt. Gerade Kunst wäre aus meiner Sicht ein Raum der Freiheit. Dieser ist in unserer Gesellschaft sowieso rar und ich versteh nicht warum du ihn nicht nutzt. Ich habe das Gefühl du schränkst dich selbst ein. Du setzt deine Grenzen eng, obwohl du wahrscheinlich kaum einen Raum findest, indem du mehr Freiheiten hättest als in der Kunst.

Meinung

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