Von der Kunst leben?

Ich kenne fast niemanden, der*die allein von der Kunst lebt. Irgendwas arbeitet jede*r nebenbei. Teilweise ist das ein Job, welcher der Kunst zuarbeitet, wie z.B. in der PR-Abteilung oder in der Produktion, und teilweise ist es auch etwas völlig anderes. Ganz weit oben auf der Liste steht natürlich der Kellner*innen Job. Schön flexibel, häufig schwarz und wenn es gut läuft, gibt es ein paar Kröten mehr als erwartet (Trinkgeld). Auch im Büro, auf Messen und im Verkauf kann man Künstler*innen beim Geldverdienen zuschauen.

Spielregeln?

Mein Aushilfsjob läuft gerade aus und ich frage mich was ich neben meiner unertragreichen Projektarbeit tun kann, um eine Grundsicherung meiner Fixkosten zu verdienen. Zunächst schaue ich die Jobportale durch, die mich ansprechen. Theapolis (ehemals Theaterjobs) und Bühnenjobs.de haben selten etwas für Menschen aus der freien Szene übrig. Gesucht werden meist Musiker*innen, Techniker*innen oder irgendetwas anderes was ich nicht kann. Ich bin in der freien Szene groß geworden. Dort, wo die guten Jobs jenseits von Jobportalen vergeben werden. Aber irgendwie habe ich die Spielregeln nicht verstanden. Diese Erkenntnis stürzt mich mindestens einmal pro Jahr in eine tiefe Verzweiflung. Aber das geht meist schnell vorüber. Ich suche also in anderen Portalen. Doch im Bereich Kunst/Kultur fällt das Angebot eher spärlich aus.

Also gut. Vielleicht ist es gar nicht schlecht, wenn der Nebenjob nichts mit der eigentlichen Berufung zu tun hat. Was also tun? Kellnern wollte ich eigentlich nicht mehr. Im Büro sitzen macht mich verrückt. Callcenter. Wow. So viele Jobangebote im Callcenter? Aber irgendwie kann ich das nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Bei der Post suchen sie Paketzusteller*innen, aber dafür braucht man einen Führerschein. Küchenhilfe. Reinigungskraft. Warenannahme. Verkaufshilfe. Oh weh, so viele Möglichkeiten.

Irgendwann erwische ich mich, wie ich doch wieder nach Jobs suche, welche die Kunst berühren. Ich habe also noch nicht aufgegeben.

Meinung

Comments (2)

  • Gilt das für alle Arten der Kunst? Überschütten wir uns mit Kunst? Stimmt es, dass jeder ein Künstler ist?
    Kann der Künstler in unserer Zeit, den durch die Künste abgesteckten Raum erweitern, überschreiten oder gar verlassen? Kann er seine Funktion als sinnstiftendes Element der Gesellschaft oder als Langeweile-Recycler noch erfüllen? Warum politische Kriterien zu ästhetischen Maßstäben erheben? Oder nicht?! Oder sind wir alle
    entsetzliche Banausen? Werden sich die düsteren Prophezeiungen über die Grenzen der Kunst, dem Ende der Kunst oder deem Verschwinden der Kunst weltweit bewahrheiten?
    Aus einem Bild entstehen so viele Bilder, wie es Betrachter gibt, denn ohne Betrachter gibt es das bild einfach nicht! Alles Gründe! Warum ich nun eine Versteigerung meiner Bilder in der Galerie Zapatero in Unna veranstalte! Kleine Bilder, große Bilder mit Einstiegspreisen zwischen 30€ und 100€ ! Ein Versuch Platz in meinem Atelier zu schaffen, aber natürlich auch, um meine Werke an den Betrachter zu bringen!! „Schleuderpreise“? Vergleiche ich mich mit Gerhard Richter? Oder bin ich schon froh, wenn Bilder die gefallen und so an den Mann/Frau zu bringen!! Ich will keine Tapeten oder Wohlfühlbilder malen! etc..

  • Das Thema mit Kunst Geld zu verdienen, ist eins mit Rattenschwanz. Ständig muss man sich fragen, was ist meine Kunst wert? Was sind meine Gedanken wert? Kann man das überhaupt berechnen? Vorallem, wenn niemand darum gebeten hat? Viel Potential für Unsicherheiten.
    Danke für deine Gedanken Franz Ott.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.